un | begrenzt

Erinnerungen ohne Mauern
Since 02/2026 1 Episode

#000 Der Mauerfall und die Geschichten, die bleiben

01.02.2026 7 min

Zusammenfassung & Show Notes

Die Mauer ist gefallen – aber die Grenzen waren nicht einfach weg.
In dieser Auftaktfolge von un | begrenzt – Erinnerungen ohne Mauern sprechen Vanessa Köllner und Arne Schöning darüber, warum Erinnerungen an den Mauerfall, die DDR und die deutsche Teilung bis heute nachwirken – und warum genau daraus dieser Podcast entstanden ist.

Vanessa ist in Leipzig aufgewachsen, Arne in West-Berlin (Spandau). Zwei unterschiedliche Biografien, zwei Perspektiven auf die Wiedervereinigung – und eine gemeinsame Überzeugung: Geschichte endet nicht mit einem Datum. Sie lebt in den Geschichten, die Menschen mit sich tragen.

Diese Folge ist keine Einführung im klassischen Sinne. Sie ist eine Einladung: zuzuhören, mitzudenken – und selbst Teil von un | begrenzt zu werden. Es geht um Erfahrungen, um das, was geblieben ist, und um die Frage, was uns heute verbindet.

Darum geht es in dieser Folge:
  • warum der Mauerfall für viele kein klarer Schnitt war
  • wie DDR, Ost- und Westdeutschland bis heute prägen
  • weshalb Erinnerungen wichtiger sind als historische Daten
Deine Geschichte gehört hierher

Hast du den Mauerfall oder die Zeit der Wiedervereinigung selbst erlebt? Oder nimmst ihre Folgen bis heute war?

un | begrenzt – Erinnerungen ohne Mauern lebt von persönlichen Geschichten. Wenn du Teil einer der nächsten Folgen werden möchtest, melde dich gern bei uns.

👉 Schreib uns deine Geschichte  https://unbegrenzt.letscast.fm/feedback

Transkript

Vanessa
00:00:00
1989, die Mauer ist gefallen, aber damit sind ja nicht die Grenzen einfach weg. Im Prinzip, ja, die Mauer, die Trennung zwischen Ost- und Westdeutschland als größte Barriere, die eigentlich jemals gefallen ist, zumindest für uns, denn wir beide hätten uns sonst nie kennengelernt.
Arne
00:00:23
Ja, es gäbe kein Wir auf jeden Fall, ja.
Vanessa
00:00:25
Das ist richtig und damit erstmal willkommen. Die Idee zu dieser Folge kam mir schon vor längerer Zeit. Ich bin nämlich ein eingefleischter Fan von Geschichtspodcasts. Und letztes Jahr im Herbst hatten wir dann die Feierlichkeiten zum 35-jährigen Jubiläum der Wiedervereinigung. Und ja, die Idee entwickelte sich dann eben immer so weiter. Oder da draußen sind bestimmt ganz viele Geschichten von Menschen aus der Zeit, die gerne erzählen wollen, was damals alles passiert ist, was sie erlebt haben und vor allem, was auch in den Folgejahren passiert ist. Denn wie gesagt, nur dass die Barriere weg ist, heißt ja nicht, dass hier Friede, Freude, Eierkuchen alles perfekt ist. Und wir möchten euch heute mitnehmen in diese Zeit, so liebe Arne, du warst zwölf.
Arne
00:01:21
Oh ja, es ist länger her, als man denkt. Wir waren jung und frisch.
Vanessa
00:01:27
Das ist richtig. Du warst zwölf, ich war acht, achteinhalb. Und wie hast du die Zeit vor dem Mauerfall erlebt? Also als Mauer steht, es gibt Ostdeutschland, es gibt Westdeutschland.
Arne
00:01:42
Ich habe ja in West-Berlin gelebt, genauer gesagt in Spandau. Und für mich war die Mauer schon immer extrem präsent, weil die war quasi vor der Haustür. Ich habe es jetzt nicht als eingesperrt empfunden oder sowas, aber es war halt schon irgendwie so skurril. Auf der anderen Seite hast du Menschen mit Waffen gesehen. Aber ansonsten, ich glaube, ganz vieles rührt heutzutage auch aus Geschichten oder Dokumentationen mit zwölf. So präsent ist es nicht. Aber es gibt so ein paar Kleinigkeiten, wo man schon sagt, da kann ich mich genau dran erinnern. Aber wie ist es bei dir, wenn du heute Ost oder West sagst, löst es bei dir noch irgendwas aus? Ist es für dich eher so ein Beschreiben deiner Herkunft oder in die Identität oder eher eine Himmelsrichtung?
Vanessa
00:02:24
Ich glaube, dass da wirklich noch viel Identität ist, also dass auch ich mich stark damit identifiziere, aus dem Osten zu kommen. Also was habe ich vor 89 erlebt und was habe ich danach erlebt?
Arne
00:02:41
Ja, aber es ist ja irgendwie so skurril, weil wir ja eigentlich mehr Lebenszeit ohne Mauer erlebt haben und ohne Trennung und ohne zwei Staaten und alles, als dass wir miterlebt hätten. Und trotzdem ist es noch das, was anscheinend so prägend ist.
Vanessa
00:02:56
Ja, das meine ich ja, weil ich glaube, dass die 90er waren ja das, was dann geprägt hat. Du wächst da so rein und erlebst natürlich auch alles zum ersten Mal. Und das ist ja das, was ich meine. Wie hast du das erlebt und wie bist du da beeinflusst worden? Und für meine Eltern war das natürlich ein komplett neuer Lebensabschnitt. Also die Menschen mussten ja so viel umlernen. Ich glaube, das wird mir jetzt heute mit Mitte 40 erst bewusst.
Arne
00:03:25
So eine Priemel aus dem Westen im Westbaumarkt war auf einmal irgendwie gefühlt mehr wert als die Priemel aus der Ostgärtnerei.
Vanessa
00:03:35
Es gibt ja jetzt eine ganz starke Bewegung dahin, regional und aus der Umgebung etc. Und das war damals wirklich verpönt. Also so Sachen wie Rotkäppchensekt oder die Spreewaldgurke, das war erstmal nicht mehr so sexy und attraktiv.
Arne
00:03:55
Aber spannend, wie sich das dreht. Heute ist es wieder eher Kult.
Vanessa
00:03:59
Wenn wir darüber sprechen, wie sehr hat das mein Leben beeinflusst? Wir hatten ja dann die ultimative Freiheit. Das war ja auch das, was viele wollten. Also gerade die Reisefreiheit und auch die Freiheit, zum Beispiel die Berufe zu ergreifen, die wir wollen. Oder zu studieren, wenn du das möchtest. Also ich hätte ja wahrscheinlich, so es die DDR länger gegeben, hätte ich nie studieren können. Also wahrscheinlich nicht ohne Parteibuch.
Arne
00:04:28
Auch noch in der evangelischen Kirche. Also eigentlich warst du ja schon fast Staatsfeind.
Vanessa
00:04:33
Und trotzdem Jungpionier. Ich habe es noch erlebt. Genau. Für uns war halt immer klar, der größte Teil derer, die um uns rum sind, werden weggehen. Also es gab ja nicht genug Arbeit, es gab nicht genug Ausbildungsplätze etc. Es gab Menschen, Jugendliche, die sind mit 16 irgendwie runter nach Baden-Württemberg, um eine Ausbildung zu machen.
Arne
00:04:54
Aber das war ja nicht in dieser Anfangseuphorie 89, das kam ja dann so Mitte der 90er, wo es dann halt losging, dann ging das große Ausbluten los und dann hast du ja auch quasi, bist ja auch gegangen.
Vanessa
00:05:05
Ja, also ich bin ja relativ lang geblieben bis 24, also bis zu einem Alter von 24 und dann aber auch weggegangen und erstmal nach Paris.
Arne
00:05:20
Das finde ich immer so krass, weil jeder von uns hat eine eigene Geschichte erlebt und es gibt ja wahrscheinlich noch viel, viel mehr Menschen um uns drumherum, die noch komplett andere Geschichten erlebt haben, Geschichten in alle Richtungen und deswegen soll die Podcast-Folge heute ja auch irgendwie nur der Anfang gewesen sein. Wir planen eine neue Podcast-Folge und da wollen wir über noch viel mehr so grenzüberschreitende Geschichten reden, aber nicht nur über die von Vanessa und mir, sondern vor allem über eure, also die anderen Erfahrungen, die ihr gesammelt habt und darüber reden, was habt ihr erlebt, was bewegt euch noch bis heute und worüber wolltet ihr aus dieser Zeit vielleicht schon immer mal reden. Also jeder, der da Lust drauf hat, der da Bock drauf hat, der eine tolle Geschichte zu erzählen hat und es müssen nicht nur die großen Sachen sein, sondern es sind manchmal die kleinen, die viel spannender und interessanter sind. Meldet euch doch einfach mal bei uns, also entweder in den Kommentaren oder ihr kommt auf unsere Instagram-Seite und schreibt uns da oder geht auf die Webseite oder ihr schreibt uns eine E-Mail. Also meldet euch bei uns und dann reden wir auch über eure Geschichten. Was habt ihr erlebt und wie habt ihr die Grenzen und diese Grenzüberschreitung und das Wegräumen von Barrieren in dieser Zeit erlebt?
Vanessa
00:06:38
Ein bisschen Zeitdokumentation, also das, was oft irgendwie bemängelt wird. Wer hört die Geschichte sich an? Wir hören sie uns an und würden uns total freuen, wenn ihr mitmacht.
Arne
00:06:51
Und ich bin mir ganz sicher, dass uns da noch viele, viele Sachen mehr einfallen als unseren eigenen Erlebnissen und unseren eigenen Familien, die wir dann natürlich auch gerne erzählen werden. Und ja, bis dahin bleibt uns treu, liked es, teilt es, verbreitet es, erzählt anderen darüber, was wir vorhaben, damit wir möglichst viele Menschen zusammen bekommen. Und uns bleibt eigentlich nur sagen, auf Wiederhören.

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